100 Jahre Waffenstillstand

29.11.2018

An den Waffenstillstand von Compiègne am 11.11.1918, der den Ersten Weltkrieg beendete, wird in Frankreich jedes Jahr feierlich gedacht, insbesondere an seinem 100. Jahrestag. Dort wird dies „Armistice de Rethondes“ genannt, wie auch der Waffenstillstand vom 22. Juni 1940, nach einem Dorf bei Compiègne. An der Feier in Straßburg auf dem Place de la République nahm in diesem Jahr erstmalig auch eine Abordnung der Landesgruppe Baden-Württemberg im Reservistenverband unter der Leitung des Landesvorsitzenden Oberstleutnant d.R. Joachim Fallert in Uniform als Teil der Ehrenformation teil.

Die Paradeaufstellung zur Feierstunde bildete ein Geviert um das Kriegerdenkmal „A NOS MORTS“, das eine Mutter mit ihren beiden gefallenen Söhnen zeigt – einer als französischer und der andere als deutscher Soldat. Das 1936 entstandene Denkmal erhielt bereits 1940 neuerlich Aktualität. Am Denkmal sind nicht nur die Jahreszahlen der beiden Weltkriege, sondern auch die von Indochinakrieg und Algerienkrieg eingetragen.

Auf der Denkmalseite mit diesen Eintragungen standen die Ehrengäste. Eine weitere Seite nahmen „Cadres sans troupes“ ein, also französische Offiziere und Unteroffiziere ohne Truppe, dazu die Reservisten aus der Landesgruppe Baden-Württemberg ohne Trennung nach Dienstgradgruppen. Den Ehrengästen gegenüber, weitgehend durch Denkmal und Gebüsch verdeckt, stand eine Abordnung der französischen Marine und ein Ehrenzug des Jägerbataillons 291 aus Illkirch-Graffenstaden unter der Führung von Oberstleutnant Thomas Kramer, hier nicht als Erster Stellvertretender Landesvorsitzender, sondern als Bataillonskommandeur. Das Geviert schloss der Ehrenzug vom Régiment de marche du Tchad mit aufgepflanzten Bajonetten und der Musikzug mit dem prachtvollen Palais du Rhin im Hintergrund, das 1884 bis 1889 als Kaiserpalast errichtet wurde und eine pickelhaubenartige Kuppel trägt.

Als Brigadegeneral Marc Ollier, Militärgouverneur von Straßburg, Kommandant der 2. Panzerbrigade, zur Feierstunde die Ehrenformation abschritt, hatte Hauptmann d.R. Rolf Baron als Fahnenträger gleich zwei Schwierigkeiten zu meistern. Die Fahne der Landesgruppe Baden-Württemberg ist keine Truppenfahne, muss also entsprechend gehandhabt werden. Mit einem Dutzend Fahnenbändern ist sie schwerer zu händeln und zu halten als die der anderen Fahnenträger. Mit würdigem Tragen waren später auch Schülerinnen und Schüler des Lycée Oberlin beschäftigt, als sie den Würdenträgern bei den Kranzniederlegungen mit den Kränzen voranschritten. Von deutscher Seite waren dies der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland und ständiger Vertreter beim Europarat Rolf Mafael und der Kommandeur Oberstleutnant Thomas Kramer für das Jägerbataillon 291.

Auch bei den Ansprachen gingen zwei Schülerinnen des Lycée Oberlin voran. In ihrer Lesung gemahnten sie an die Pflicht zur Erinnerung, um die Opfer als Einsatz für den Frieden zu nutzen. Schlussredner war Jean-Luc Marx, der als Präfekt der Region Grand Est, Präfekt des Sicherheits- und Wehrbereichs Ost und Präfekt des Departements Bas-Rhin auch die Leitung der Gedenkveranstaltung hatte. Unter den zahlreichen Ehrengästen fand sich auch der Bürgermeister von Straßburg Roland Ries, der Präsident der Eurometropole Robert Herrmann und der Kommandierende General des Eurokorps in Straßburg Generalleutnant Jürgen Weigt.

Der Veranstaltungsort Place de la République eignet sich nicht allein durch das Kriegerdenkmal für eine solche Gedenkveranstaltung, sondern auch durch die Umgebung. Die den Platz streifende Rue de la Maréchal Foch erinnert an Ferdinand Foch in dessen Eisenbahnwaggon der Waffenstillstand von Compiégne unterzeichnet wurde. In Verlängerung dazu findet sich die Rue de la Maréchal Joffre. Joseph Joffre war ein Vorgänger Fochs. Auch die Avenue de la Marseillaise stößt auf den Place de la République. Dazu muss man wissen, dass die französische Nationalhymne 1792 in Straßburg komponiert wurde, als „Chant de guerre pour l’armée du Rhin“(„Kriegslied für die Rheinarmee“) gegen den Feind Österreich. Den Namen Marseillaise erhielt das Lied erst ein Viertel Jahr später, weil es Soldaten aus Marseille beim Einzug in Paris sangen, kurz vor dem Sturm auf den Tuilerienpalast.

Noch vor der Marseillaise wurde zum Abschluss der Gedenkveranstaltung die deutsche Nationalhymne gespielt und gesungen. Nicht wörtlich war hier der Refrain der Marseillaise zu nehmen: „Aux armes, citoyens, formez vos bataillons, marchons, marchons! Qu’un sang impur abreuve nos sillons! (Zu den Waffen, Bürger, formiert eure Truppen, marschieren wir, marschieren wir! Unreines Blut tränke unsere Furchen!)“. Dem Gedenktag angemessen ging es anschließend zum Empfang des Präfekten. Der Landesvorsitzende Oberstleutnant d.R. Joachim Fallert nutze dies, um sich persönlich für die große Ehre der Einladung des Militärgouverneurs von Straßburg als Teilnehmer der sehr würdigen Veranstaltung zu bedanken. Damit sei eine schöne Gelegenheit gegeben die deutsch-französische Freundschaft weiter zu vertiefen.

Johann Michael Bruhn

Fotos: Johann Michael Bruhn